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Kirchenorgeln im Westerwald

Teil 2
von Hahn am See bis Wölferlingen

Der Autor: Hans-Dieter Weisel, Ransbach-Baumbach

Hahn am See

Die katholische Pfarrkirche St. Margaretha wurde 1740 errichtet. Die enthaltene Orgel ist ein Instrument der Firma Dreymann aus Mainz. Gebaut wurde die Orgel 1857 auf mechanischen Schleifladen.

Auch diese Orgel sollte ursprünglich Raßmann aus Möttau erstellen, jedoch wurde er von Musiklehrern der damaligen Zeit nicht empfohlen. So bekam Dreymann den Auftrag zum Neubau. Heute sind 13 Register auf 2 Manualen und Pedal vorhanden, wovon noch 7 auf Dreymann zurückgehen. 1975 wurde die Orgel umgebaut und erweitert vom Orgelbauer Wagenbach.

Seit 1932, als Nachfolgefirma von Horn in Limburg, schaffte die Firma Wagenbach viele Orgeln im Westerwald, teilweise in Zusammenarbeit mit der Firma Kemper in Lübeck.

Im Westerwaldkreis wurden gebaut (Auswahl): Nauort, Marienrachdorf, Hillscheid, Kadenbach, Heiligenroth, Langenhahn, Meudt, Niederahr, Pottum, Selters, Steinefrenz, Staudt und Westerburg.

Helferskirchen

Zierlich ist die Barockkirche St. Maria in Helferskirchen anzusehen. Sie besitzt eine Orgel, welche Orgelbauer Schöler aus Bad Ems 1785 gefertigt hat.

Auch heute, über 200 Jahre später, zeigt sich die Orgel nahezu unverändert. Ein schlanker Mittelturm wird von zwei seitlichen Spitztürmchen und flachen Prospektfeldern eingeschlossen. Die Orgel war im Ursprung einmanualig, wurde aber später um ein zweites Manual von Orgelbauer Bertram aus Engers erweitert. Aus dem Raum Bonn zog Orgelbauer Bertram nach 1861 nach Engers. Bertram führte hauptsächlich Umbauten und Reparaturen aus, hat aber auch einige Neubauten erstellt. Der Gründer der Werkstatt Klais in Bonn, Johannes Klais, machte bei Bertram ab 1874 seine Orgelbaulehre. Eine besondere Eigenart Bertrams war es, dem Register Waldflöte die Vorsilbe Wester' zu geben, so daß eine "Westerwaldflöte" entstand.

An der Orgel in Helferskirchen waren auch die Orgelbauer Johannes und Andreas Arndt aus Nomborn tätig. Überwiegend nur mit Reparaturen beschäftigt, erstellten sie zwischen 1811 und 1836 auch drei Orgelneubauten in Balduinstein, Kirburg und Engers. Heute hat die Orgel in Helferskirchen 17 Register. 1983 führte die Firma Fischer & Krämer aus Endingen/Kaiserstuhl eine sorgfältige Restaurierung durch. Der Spielschrank befindet sich seitlich.

Herschbach

Das bei Selters gelegene Herschbach weihte seine katholische Pfarrkirche der heiligen St. Anna. Fertig wurde die Kirche 1768. Sie beherbergt wohl eines der schönsten Orgelgehäuse des Orgelbauers Schöler aus Bad Ems. Emporenbrüstung und Orgelgehäuse sind zu einer optischen Einheit verschmolzen. Dies geschah in der Weise, daß die Farbkomponenten sowie auch Gestaltungselemente übernommen wurden.

Es ist wohl auch die größte Orgel, die Schöler gebaut hat. Ursprünglich dreimanualig sind heute nach einem Neubau des Werkes durch den Orgelbauer Horn aus Limburg 1915 nur noch 2 Manuale und Pedal mit 32 Registern vorhanden.

Das barocke Schöler-Gehäuse von 1773, welches damals ein Hauptwerk, ein Positiv und ein Echowerk enthielt, hatte in seiner Originaldisposition 34 Register. Sie galt damals als die größte Orgel im Regierungsbezirk Wiesbaden. Beim Bau wurde die Orgel mit dem Schiff von Bad Ems nach Vallendar transportiert, dann mit Pferdefuhrwerken nach Herschbach gefahren. Finanziert wurde die damals 3300 Taler teure Orgel durch den Holzverkauf aus dem Gemeindewald.

1900 schlug ein Blitz in die Kirche und Orgel ein, worauf Orgelbauer Horn eine Reparatur durchfuhren mußte.
 

Hillscheid

Die Friedhofskirche in Hillscheid wurde 1756 als katholische Pfarrkirche St. Josef erbaut. Erst durch die Schaffung einer neuen Kirche 1959 dient sie nur noch als Friedhofskapelle. Hier finden wir die einzige Stumm-Orgel des Westerwaldkreises. Aus dem Jahr 1773 stammend, überdauerte das Instrument die Jahrhunderte. Gründer der Orgelfamilie war Johann Michael Stumm. Seine erste Orgel entstand 1717. Vier seiner Kinder wurden Orgelbauer. Erst mit der sechsten Generation in dem Jahr 1896 wurde der Orgelbau aufgegeben. Es entstanden in der Schaffenszeit über 350 Orgeln, wovon die meisten auch heute noch erhalten sind.

Daß die Orgel in der Werkstatt Stumm gebaut wurde, war lange Zeit vergessen. Erst bei Orgelforschungen durch Dr. Bösken wurde die Erbauerfirma in Erfahrung gebracht. Größere Reparaturen und Umbauten erfolgten 1843, 1862, 1947 und 1983.

Von ursprünglich 16 Registern auf 1 Manual und Pedal präsentiert sich die Orgel heute mit 24 Registern auf 2 Manualen und Pedal. Da die Orgel historisch sehr wertvoll ist, wurde eine Restauration durch die Firma Oberlinger im Jahr 1995 durchgeführt. Es bleibt zu hoffen, das die jetzige Restaurierung/ Rekonstruktion den Bestand auf Jahrzehnte hinaus sichert.

Die erste Orgel der Gebr. Oberlinger wurde 1868 eingeweiht. Jakob Oberlinger begann eine Orgelbautradition, die bis heute fortgeführt wird. Viele hundert Orgeln sind entstanden, dazu Restaurierungen von sehr vielen Stumm-Orgeln, so wie auch die in Hillscheid. Neue Orgeln dieser Firma im Westerwald stehen in Salz, Nistertal, Höchstenbach und Weidenhahn.

Die Pfeifen sind die Seele der Orgel. Sie sind es, die der Orgel ihr Wesen und Charakter geben. Von den 1236 Pfeifen dieser Orgel sind noch 394 Orginal von den Gebr. Stumm erhalten.

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