Die Orgelbauwerkstatt
 Buderus in Singhofen

Der Autor: Hans-Dieter Weisel, Ransbach-Baumbach

Vorwort

Der Orgelbau hat eine lange Tradition. Die älteste noch vorhandene Orgel findet man in Sitten in der Schweiz, ein Instrument aus dem Jahr 1370. Auch der Landkreis Bad- Ems hat einige historische Orgeln zu bieten, so in Nastätten (1716), in Flacht (1715) und in Eppenrod (1723) um nur einige zu nennen. Handwerkliches Geschick, eine musikalische Ader und künstlerisches Denken, alles Eigenschaften, die ein Orgelbauer für sein Handwerk braucht. Berühmte Vertreter dieses Berufsstands waren in den vergangenen Jahrhunderten die Silbermann's in Sachsen und im Elsaß, Arp Schnitger in Hamburg oder Cavaille-Coll in Paris. Im Hunsrück ansäßig waren die Gebrüder Stumm, in Bad Ems war Orgelbauer Schöler tätig, von dem auch heute noch einige Instrumente vorhanden sind.

Die Firma Buderus

Weniger bekannt ist der Orgelbauer Johann Daniel Buderus aus Singhofen. Geboren wurde er 1807 in Nassau. In einer Bewerbung zum Orgelbau in Wahlrod schrieb Buderus: "Schon frühzeitig wurde die Lust zur Erlernung des Orgelbaus in mir rege und wirkte darauf hin, daß ich eine Orgelbaulehre begann". Diese absolvierte er 1827 bis 1833 bei der Orgelbauwerkstatt Ratzmann in Ohrdruf/Thühringen und Gelnhausen.

Anschließend war er auf Wanderschaft wie viele Orgelbauer dieser Zeit. Ab 1834 machte er sich in Nassau selbständig, um 1842/43 zog er mit seiner Werkstatt nach Singhofen um. Es soll in seiner geschäftlichen Tätigkeit zweimal Konkurs gemacht haben, er scheint also nicht der Geschäftsmann sondern eher der Handwerker gewesen zu sein. 1868 wird die Arbeit von Buderus an der Orgel in Eppenrod als mißglückt bezeichnet, der Ton des Werkes sei "mager". In einer Stellungnahme von 1871 der Gemeinde Dachsenhausen wird berichtet, daß Buderus "zu schleppend arbeite".

Buderus heiratete Maria Christine Back aus Singhofen. In Singhofen lag seine Werkstatt an der Hauptstraße, auch "Ojlbauerscheun" genannt. Von seinen Arbeiten ist wenig erhalten geblieben.

Gestorben ist Buderus am 13.09.1886 in Singhofen.

An Orgelbautätigkeiten ist nachzuweisen:

         1835 Weyer - Reparatur
         1837 Schweighausen - Reparatur Schölerorgel
         1838 Becheln - Reparatur
         1839 Dienenthal - Reparatur Schölerorgel
         1840 Bad Ems St.Martin - Reparatur, Singhofen - Reparatur
         1841 Dausenau - Neubau 15 Register, Dachsenhausen -
                  Reparatur Heil-Orgel von 1835
         1842 Obernhof - Neubau 9 Register, ersetzt durch Neubau 1964
         1845 Raitzenhain - Reparatur
         1846 Nassau - Reparatur, Niedertiefenbach - Reparatur
         1847 Ruppertshofen - Reparatur, Buderus wurde gezwungen, die Arbeit
                  einzustellen.
         1848 Nastätten - Reparatur, Dienenthal - Reparatur
         1850 Weltenrod - Neubau, soll 1866 bereits im traurigen Zustand gewesen sein.
         1852 Marienfels - Reparatur
         1857 Girod - Neubau, Singhofen - Neubau 20 Register, Kördorf - Reparatur
         1859 Weyer - Reparatur 1861 Bad Ems - Reparatur
         1862 Dörnberg - Neubau 11 Register, fiel 1911 einem Blitzschlag zum Opfer
         1863 Herschbach - Reparatur, Oberwallmenach - Reparatur
         1865 Mielen - Reparatur Schölerorgel
         1866 Niedertiefenbach - Reparatur Schölerorgel
         1867 Niederwallmenach - Reparatur Schölerorgel, Egenroth - Reparatur
         1868 Weyer - Reparatur, Marienfels - Reparatur
         1870 Eschbach - Neubau 6 Register, soll aus alten Teilen zusammengebaut sein.
         1872 Nassau - Reparatur, Niedertiefenbach - Reparatur Schölerorgel
         1881 Nassau - Reparatur

Es bleibt festzustellen, daß Buderus wohl neben seinem Konkurrenten Raßmann in Möttau Kaum bestehen konnte, bei vielen Bewerbungen Buderus um Orgelneubauten wurde Raßmann der Zuschlag gegeben.

Mit Schöler und Heil in Bad-Ems, Schmidt in Braubach und Buderus in Singhofen gab es drei Orgelbauwerkstätten im heutigen Landkreis. In unserer Zeit werden alle Orgeln rund um Bad Ems von auswärtigen Firmen betreut, da es keine Orgelbauwerkstätten mehr im Kreis gibt.

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