Ehemalige Orgelbauwerkstätten im Westerwaldkreis

Der Autor: Hans-Dieter Weisel, Ransbach-Baumbach

Vorwort

Der Orgelbau hat eine lange Tradition. Die älteste noch vorhandene Orgel findet man in Sitten in der Schweiz, ein Instrument aus dem Jahr 1370. Auch der Westerwald hat einige historische Orgeln zu bieten, da wäre die Orgel in Hundsangen, deren Gehäuse auf das Jahr 1682 zurückgeht und die im Jahr 1996 neu erbaute Orgel in der Hachenburger Schloßkirche, deren Orgelgehäuse von 1718 stammt.

Handwerkliches Geschick, eine musikalische Ader und künstlerisches Denken, alles Eigenschaften, die ein Orgelbauer für sein Handwerk braucht. Berühmte Vertreter dieses Berufsstands waren in den vergangenen Jahrhunderten die Silbermann's in Sachsen und im Elsaß, Arp Schnitger in Hamburg oder Cavaille-Coll in Paris.

 

Die Werkstätten im Westerwaldkreis

Im Hunsrück ansäßig waren die Gebrüder Stumm, ein Orgelbaufamilie, deren Instrumente zum größten Teil noch vorhanden sind. In Hillscheid finden wir eine Stummorgel aus dem Jahr 1775, weitere in Bendorf und in Lahnstein.

Auch im Westerwald waren Orgelbauer ansäßig, der breiten Bevölkerung ist dies heute unbekannt. Es waren keine berühmten Orgelbauwerkstätten, dies wird auch der Grund sein, warum es sehr schwer ist, etwas über deren Tätigkeit herauszufinden. Zwei Betriebe werden in diverser Fachliteratur erwähnt, die Werkstatt Arndt in Nomborn und die Werkstatt Zumsande in Höhr-Grenzhausen.

Johann Arndt wurde am 04.12.1764 geboren und verstarb am 21.04.1829. Aus seiner Ehe ging der Sohn Andreas hervor, der ebenfalls das Orgelbauhandwerk ausübte. Er wurde Am 16.04.1802 geboren und verstarb am 24.02.1868. Johann Arndt soll das Orgelbauhandwerk sich selbst beigebracht haben.

An Tätigkeiten der Arnd's wurde aufgezeichnet:

         1811 Balduinstein
         1819 Kirburg (wird als Pfuschwerk bezeichnet, es fand ein Gerichtsverfahren
                  statt, welches sich bis ins Jahr 1841 hinzog)
         1820 Horchheim - Abbau und späterer Aufbau der Orgel wegen
                  Kirchenrenovierung
         1824 Montabaur - Angebot 1825 Helferskirchen - Reparatur
         1827 Arnstein/Kloster - Reparatur (zur vollsten Zufriedenheit repariert -
                  Gutachten)
         1828 Hillscheid - Reparatur der Blasebälge
         1832 Breitenau - Reparatur
         1835 Limburg Stadtpfarrkirche - Neue Blasebälge
         1836 Engers kath.Kirche
         1848 Arzbach - Stimmung


Dies sind alle Einträge in der Literatur, jedoch kann man von weiteren Arbeiten ausgehen.

Caspar Zumsande wurde 1814 im Münsterland geboren. Er war eigentlich gelernter Tischler und lernte zusätzlich das Orgelbauhandwerk bei der Werkstatt Maaß in Köln und machte sich 1850 in Ahrweiler selbständig.

Er heirate 1856 eine Frau aus Höhr- Grenzhausen und verlegte seine Werkstatt dann 1859 in die Höhrer Gartenstraße 2. Da er keine Nachkommen hatte, erlosch der Betrieb mit seinem Tod am 04.08.1878.

Tätigkeitsnachweise von Zumsande sind zu finden in:

         1853 Grafschaft Ringen
         1854 Höhr - Pfarrkirche
         1861 Heiligenroth
         1862 Hillscheid - Umbau und Erweiterung
         1863 Damscheid
         1864 Arzbach
         1870 St.Sebastian - dort sind heute noch Pfeifen vorhanden
         1876 Arzbach - Reparatur

Auch Zumsande war sicherlich an weiteren Orgeln im Westerwaldkreis tätig.

Leider gibt es heute keinen ansässigen Orgelbaubetrieb mehr im Westerwaldkreis. In Heilberscheid wurde eine Zweigniederlassung von Fischer & Krämer aus Endingen/ Kaiserstuhl eingerichtet. Ein weiterer Orgelbaubetrieb in der Nähe befindet sich in Boppard, die Firma Gerhardt & Söhne.

Im Westerwaldkreis gibt es über 150 Orgeln, ein Tätigkeitsfeld im Bereich von Stimmungen und Reparaturen, welches heute betreut wird von den Firmen Klais/Bonn, Mayer/Heusweiler, Hardt/Möttau und Fischer und Krämer, sowie viele kleinere mehr.

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