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Emmerichenhain

Zwischen 1716 und 1719 wurde die jetzige evangelische Kirche in Emmerichenhain im barocken Stil errichtet.

Im Inneren der Kirche befindet sich eine Orgel aus dem Jahr 1725 vom Orgelbauer Wang aus Hadamar. Die über der Kanzel und dem Altar stehende Orgel weist einen mittleren und zwei seitliche Rundtürme auf, die im Schaffen vom Orgelbauer Wang oft zu finden sind.

Im Jahr 1778 war eine Reparatur notwendig. Man beauftrage Orgelbauer Boos aus Siegen, der die Reparatur durchführte und fast ein halbes Jahr auf sein Geld warten mußte. Weitere Reparaturen erfolgten 1836 und 1872 durch Daniel Raßmann aus Möttau. Heute beinhaltet das Werk 11 Register auf mechanischen Schleifladen.

Freirachdorf

In der evangelischen Kirche in Freirachdorf befindet sich eine Orgel der Firma Hardt aus Möttau. 1968 baute sie dieses Werk in ein Gehäuse, welches von Schöler stammen soll. Als Vorgängerinstrument wurde 1825 durch Raßmann eine neue Orgel gebaut. Die Schöler-Herkunft wird heute angezweifelt, weil Abweichungen zum Stil Schölers erkennbar sind.

Als Nachfolgefirma von Raßmann in Möttau betreut Hardt das Gebiet Hessen-Nassau sowie Rheinland-Pfalz. Neue Orgeln wurden in Dreifelden, Unnau, Welschneudorf sowie 1992 in Nordhofen und 1994 in Neuhäusel aufgestellt. Die Freirachdorfer Orgel hat 9 Register auf 2 Manualen und Pedal. Es ist eine rein mechanische Bauweise auf Schleifladen.
 

Gemünden

Am Ortseingang weist ein Schild darauf hin, daß sich hier eine Stiftskirche befindet. Es muß also eine besondere Kirche sein. Es handelt sich um die älteste Kirche des Westerwaldes (um 1100 gebaut). Hier steht eine Barockorgel, die ca. 1770 vom Meister Schöler aus Bad Ems gebaut wurde und bis heute fast unverändert die Jahrhunderte überstanden hat. Ein weißes Gehäuse mit einem aus 9 Pfeifenfeldern bestehenden Prospekt läßt den Stil von Schöler deutlich erkennen.

Geachtet wurde bei einer Restaurierung 1977 durch die Firma Woehl aus Marburg darauf, daß die Orgel im Sinne des Denkmalschutzes erhalten bleibt. Es wurde alles so gelassen, als hätte Schöler die Orgel gestern gebaut. Gerald Woehl gründete 1966 seine Orgelbauwerkstätte in Marburg. Besonders behutsam restauriert die Firma Woehl denkmalgeschützte Orgeln. Viel Erfahrung in alten Handwerkstechniken konnte bei 50 Restaurierungen angewendet werden. Auch 70 neue Orgeln wurden bei Woehl gebaut. In Gemünden sind alle Pfeifen, mit Ausnahme der im Krieg 1917 abgegebenen, vom Original-Schöler-Bestand vorhanden. Die Orgel hat mechanische Schleifladen. 22 Register sind auf Hauptwerk, Unterwerk und Pedal verteilt.
 

Girod

Dem Heiligen Jakobus ist die katholische Kirche in Girod geweiht. Die Orgel wurde 1905 durch den Orgelbauer Horn aus Limburg mit 12 Register auf 2 Manualen und Pedal gebaut. Die Orgelbaufirma Horn begann den Orgelbau 1895, nachdem die bisherige Werkstatt Keller in Limburg durch Tod von Michael Keller 1894 verwaist war. Etwa 80 neue Instrumente stellte Keller im Bereich Westerwald/Taunus auf. Etwa ab 1932 wurde die Werkstatt Horn durch den Orgelbauer Wagenbach fortgeführt.
 

Grenzau

Etwas oberhalb des Ortes, an der Straße zur Burg Grenzau gelegen, steht die kleine Dorfkirche. Wendet der Kirchenbesucher seinen Blick zur Orgel, findet er ein Instrument, deren Herkunft nicht ganz geklärt ist. Sie könnte aus Arzbach oder aus Ehrenbreitstein stammen.

Vielleicht könnte sie auch als Teil einer größeren Orgel aus einem anderen Ort sein. Orgelbauer Zumsande muß an der Orgel gearbeitet haben, seinen Namenszug fand man in der Windlade. In Höhr-Grenzhausen war Orgelbauer Caspar Zumsande ab 1859 ansässig. Bei seinem Tod 1878 erlosch die Firma. Er lieferte Orgeln in den Westerwald, in den Hunsrück und in die Eifel. Tätig war er in Arzbach, Heiligenroth, Hillscheid und Höhr-Grenzhausen, um nur einige Orte zu nennen. Nach Grenzau kam die Orgel 1872. Reparaturen fanden 1913, 1955 und 1984 statt. Heute hat die Orgel 7 Register auf einem Manual. Das Pedal ist an das Manual gekoppelt. Schöne Schleierbretter schmücken das wertvolle Orgelgehäuse.
 

Großholbach

Große Teile der katholischen Kirche von Großholbach gehen auf das Jahr 1738 zurück. Später erfolgen Um- und Anbauten, die zum heutigen Erscheinungsbild der Kirche führten. Eine der wenigen Dreymann-Orgeln im Westerwald steht in dieser Kirche. Eigentlich sollte Raßmann die Orgel in Großholbach bauen, man hatte schon einen Vertrag mit ihm abgeschlossen, doch Raßmann hielt Termine nicht ein und klagte über Schwierigkeiten mit der Gesundheit und seinen Mitarbeitern. So wurde kurzerhand mit Dreymann ein neuer Vertrag abgeschloßen. Begonnen wurde der Orgelbau in der Familie Dreymann 1820 durch Bernhard Dreymann. Ab 1855 führte Hermann Dreymann bis zu seinem Tod 1862 die Orgelfirma fort. Danach wurde sie übernommen von Finkenauer & Embach. Die Dreymanns haben ca. 70 Orgeln gebaut, davon im Westerwald weitere in Hahn am See und Meudt.

Im charakteristischen Dreymann-Gehäuse stehen in Großholbach 10 Register auf 1 Manual und Pedal. Erbaut wurde dieses Instrument 1858.
 

Hachenburg Schloßkirche

Im ganzen Westerwald die älteste Tradition im Bereich Orgel kann Hachenburg nachweisen. Schon im 16. Jahrhundert wird auf eine Orgel hingewiesen in der Vorgängerin der heutigen Schloßkirche. Und bis heute hat die Schloßkirche ihren besonderen Stand in der Westerwälder Orgellandschaft beibehalten. Hier ist die technisch neueste Orgel zu bestaunen, gerade mal ein paar Monate alt. Erst im Januar 1996 eingeweiht, präsentiert sich die Orgel dennoch im Gehäuse aus dem Jahr 1718, welches denkmalwürdig restauriert wurde.

Entstanden ist das Gehäuse durch den Orgelbauer Johann Caspar Kirchner aus Farnrode in Thüringen.

Die alte technische Anlage von 1895 wurde nicht verschrottet, sondern zur Dokumentation eingelagert, vielleicht wird sie restauriert und an anderer Stelle neu erklingen. Die neue Orgel hat jetzt 28 Register auf einem Hauptwerk, Oberwerk und Pedal und ist voll mechanisch konstruiert. Man darf hohe Erwartungen an dieses Instrument stellen.
 

Hachenburg Katholische Kirche

In der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt stand wohl schon 1669 die erste Orgel. Eine neue Kirche wurde 1737 vollendet, eine Barockorgel ca. 1740. Das wunderschöne Orgelgehäuse ist auch heute noch vorhanden. Wer die Orgel damals gebaut hat, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Die Firma Fleiter aus Münster stellte 1921 in das alte Gehäuse eine neue Kegelladenorgel. Ein größerer Umbau erfolgte 1953, ebenfalls durch Fleiter. Orgelbaumeister Friedrich Fleiter eröffnete 1872 seine Orgelbauwerkstätte in Münster. Aus dieser Werkstatt gingen bis zur heutigen vierten Generation bereits über 1000 Orgeln hervor. Fleiter erweiterte die Orgeln in Hachenburg auf die heutigen 30 Register. Gedacht ist an einen Neubau der Orgel unter Beibehaltung des wertvollen Gehäuses.

 

Quellen:
Bösken, Franz: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins,
Mainz 1965
Gensicke, Helmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes, 2. erg. Nachdruck,
Wiesbaden 1987
Hammer, Gabriel: Orgelbau im Westerwald,
Köln 1971
Hemmerle, Bernhard: Zur Orgelgeschichte in Herschbach, in "Sagen und Geschichten von Herschbach" 1984
Lutz, Walter: Zur Geschichte der Kirchenmusik am Dom zu Limburg,
Mainz 1986
Jakob, Hans-Otto: Die Orgel des Kaiserdomes St. Bartholomäus Frankfurt am Main,
Bregenz 1994
Rodeland, Jürgen: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems,
München-Salzburg 1991
Seip, Achim: Die Orgelbauwerkstatt Dreymann in Mainz,
Lauffen 1993
Riedel, W. Friedrich: Der Kurrheinische Kreis als Orgellandschaft, in: "Die Orgel als sakrales Kunstwerk", Neues
Jahrbuch für das Bistum Mainz 1991/92

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