Das ehrgeizige Orgelprojekt in Andernach

Der Autor: Hans-Dieter Weisel, Ransbach-Baumbach

Vorwort

Wir leben heute in einer Zeit wo die Mehrzahl der Menschen dazu neigen, alles nicht mehr voll funktionstüchtige wegzuwerfen und durch Neukauf zu ersetzen. Dies gilt auch für die Orgeln in unseren Kirchen. Tausende von Instrumenten, welche ein oder zwei Weltkriege überstanden haben, wurden aus Gründen neuer technischen Möglichkeiten nicht erhalten und restauriert sondern durch Neubauten ersetzt. Besonders waren hierbei die Instrumente der Jahrhundertwende in pneumatischer Bauweise betroffen
 

Der Rückbau der Orgel von Andernach

Um so abenteuerlicher ist die Pioniertat in Andernach anzusehen, eine Orgel von 1914 zu erhalten, ja sogar auf den Stand von 1914 zurückzubauen. Der Lohn für das gelungene Werk ist heute ein Instrument, welches von vielen Orgelfreunden aus dem ganzen Land fast pilgerartig besucht wird wegen seiner Einzigartigkeit. Besonders der romantische Klang führt Freunde dieser Musik nach Andernach.

Gegen alle Widerstände hat man in Andernach eine Orgel wiedergeboren, die als Kulturgut betrachtet werden kann. Unbeirrbar ist man den beschwerlichen Weg gegangen altes zu erhalten, ja sogar verlorenes wieder zu rekonstruieren. Hilfreich hierbei war ein Schwesterinstrument in Giengen, welches im Originalzustand bis in die heutige Zeit geblieben ist. Geschichte der Orgel in der Christuskirche Andernach 1914 Neubau einer Orgel durch die Firma Link in Giengen mit 36 Registern auf pneumatisch gesteuerten Kegelladen als Opus 593 für 13480 Goldmark. 1938 Umbau des Instruments auf neubarocke Klangfarben dem Zeitgeist entsprechend 1957 Erneuter Umbau, Ersatz der pneumatischen Steuerung durch eine Elektropneumatische Anlage. 1996 Restaurierung und Rückführung in den Zustand von 1914 durch die Firma Peter Orgelbau in Köln.

Die Orgelbaufirma Peter in Köln

Gegründet wurde der Orgelbaubetrieb 1945 nach dem Ende des 2.Weltkrieg mit Sitz in Köln. Gerade nach den Kriegswirren waren viele Orgeln in Köln zerstört. Bis heute hat die Orgelfirma Peter 480 neue Instrumente in ganz Deutschland gebaut, dazu kommen zahlreiche Umbauten und Restaurierungen. Neubauten von Peter finden wir noch in der Christuskirche Koblenz, in der Lutherkirche Koblenz-Neuendorf und in der Lukaskirche Vallendar.

Die Orgelbaufirma Link in Giengen

Die Orgelbaufirma Link in Giengen Noch heute besteht die Orgelfirma Link in Giengen. Gegründet wurde das Unternehmen 1851. Seither wurden über 1050 Orgeln neu gebaut, allerdings im Großraum Koblenz neben der Orgel in Andernach nur ein Instrument 1921 in Burgbrohl.

    Die bisherigen Orgeln der heutigen Christuskirche:

    1752 Einbau einer neuen Orgel, vermutlich Stumm
    1865 Weitere neue Orgel der Firma Weil/Neuwied
    1914 Einbau heutiges Instrument der Firma Link/Giengen

    Werdegang des Orgelprojekt:
    1985 Gutachten, Erkenntnis: Nicht erhaltenswert
    1989 Gutachten,

    Erkenntnis:
    Neubau der Orgel wird empfohlen
    Gründung eines Orgelbauverein
    1994 Gutachten, Erkenntnis: Rückführung in Zustand 1914
    1995 Beschluß zur Restaurierung
    1996 Beginn der Arbeiten
    1998 Abschluß der Restaurierung

Orgelbeschreibung:
Der Spieltisch wurde auf den Zustand von 1914 rekonstruiert. Die Orgel hat Kegelladen, die in allen Teilen technisch überholt wurden. Der Gebläsemotor wurde erneuert, alle anderen Teile der Windanlage sind Original erhalten. Der Gehäuseaufbau entspricht dem Erscheinungsbild von 1914, von 121 Pfeifen im Prospekt sind 109 klingend. Die Kosten für die Restaurierung betrugen 550.000 DM, die fast ausnahmslos durch Spenden aufgebracht wurden.

Disposition:
Von den 36 Registern sind nur 8 neu angefertigt, alle anderen sind Original bzw. teilweise Original erhalten. Die Intonationen wurde wie 1914 durchgeführt. Die Orgel enthält jetzt 2454 Pfeifen, von 318 auf Holz, alle anderen aus Metall gefertigt sind.

1. Manual
01 Bourdon 16
02 Principal  8
03 Conzertflöte 8
04 Gedeckt 8
05 Gambe 8
06 Dulciana 8 neu
07 Octav 4
08 Quinte 2 2/3
09 Octav 2
10 Mixtur 4-5 fach neu
11 Trompete 8

2. Manual
12 Lieblich Gedeckt 16
13 Geigenprincipal 8
14 Rohrflöte 8
15 Gemshorn 8
16 Aeoline 8
17 Voix Celeste 8 neu
18 Prestant 4
19 Traversflöte 4
20 Flautino 2
21 Cornett 3-5 fach
22 Oboe 8 neu

3. Manual
23 Flötenprincipal 8
24 Flöte 8
25 Viola 8 neu
26 Salicional 8 neu
27 Quintatön 8
28 Fugara 4 neu
29 Harmonia aetherea 3 fach 2 2/3 neu
30 Principalbaß 16
31 Subbaß 16
32 Lieblich Gedecktbaß 16 transmission
33 Violonbaß 8 transmission
34 Cello 8
35 Choralbaß 4
36 Posaune 16

Einige Zusatzeinrichtungen: 2 freie Kombinationen 4 feste Kombinationen Cresendowalze Subkoppel, Superkoppel

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